kein-anderes-Evangelium
U Unser natürlicher Anteil
Wir haben oft einen völlig falschen Eindruck von unserem Mensch-Sein - jedenfalls dann, wenn wir Jesus kennen und seine Erlösung erfahren wollten.
Man vermittelt uns oft den Eindruck, da gäbe es etwas Schreckliches in uns, einen Zombie - der jedesmal quicklebendig wird, wenn wir sündigen (oder was wir dafür halten): den alten Menschen! Im Rahmen dieser Schauergeschichten werden auch noch alter Mensch und unser Fleisch munter in einen Topf geworfen.
Die gute Nachricht ist: unser alter Mensch ist tot - und er ist nicht mehr in uns (http://kein-anderes-evangelium.chapso.de/der-alte-mensch-s615274.html), nicht als Toter und schon gar nicht als Schein-Toter. Was aber immer noch da ist, ist unser Fleisch. Es ist einfach unser natürlicher Anteil. Es ist nicht böse, aber es ist schwach (Matthäus 26,41). Und es hat zwei Eigenschaften, die eng zusammengehören:
- es ist religiös und moralisch und möchte das Gesetz halten (das mosaische, das kirchliche, das von Buddha oder Kant oder von sonstwem)
- es ist daran gewöhnt, die Dinge auf seine Weise zu tun - als ob es Gott und das, was er uns schenken will, nicht gäbe
Beide Eigenschaften spielen sich übrigens gegenseitig die Bälle zu.
Unser (religiöses) Fleisch bzw. der religiöse Teil unserer Natürlichkeit ist das einzige in / an unserem Neuen Menschen, das sich am Gesetz Gottes probieren will. Es will selbst machen und sich die Dinge verdienen, die Gott uns umsonst schenken will. DAS ist Teil der "fleischlichen Gesinnung", eines natürlichen Denkens, das nicht mit den neuen Möglichkeiten rechnet, die uns durch Gott gegeben werden. Fleischliche Gesinnung ist also nicht nur die Denke "wie kann ich mir mit den Sünden, die ich so kenne, selbst helfen? Oder gibt es neue, die mir vielleicht mehr helfen?"
Röm 8,7 weil die Gesinnung des Fleisches Feindschaft gegen Gott ist, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie kann das auch nicht [was nicht heißt, daß sie es nicht probiert].
Aber Gott sei Dank sind wir "nicht im Fleisch", bloß weil wir uns am Gesetz probieren und damit "fleischliche Gesinnung" an den Tag leben; sondern weil wir Jesus kennen, sind wir "im Geist". Trotzdem haben wir natürlich viel "fleischliche Gesinnung" in uns, wenn wir neu im Glauben sind - und wenn wir zehn oder zwanzig Jahre Gesetzespredigt hinter uns haben, hat sich daran leider nichts geändert. Manchmal ist es sogar noch schlimmer geworden.
Röm 7,5a Denn als wir im Fleisch waren ...
Röm 8,9 Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt. Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.
Das ist nicht nur unsere Position, sondern eine reale Tatsache - aber eine, die man nicht sehen kann. Aber deswegen heißt es ja auch "im Glauben leben" und nicht "im Schauen leben".
Dadurch, daß wir den Geist haben, sind wir auch im Geist. Das ist nichts, was ständig wechselt - je nachdem, was wir gerade tun oder nicht tun.
Unser Fleisch kann von seinen Fähigkeiten her gar nicht dem Gesetz so gehorchen, wie das Gesetz es fordert: nämlich perfekt, also in allem. Unser Neuer Geist hat aber kein Interesse daran, daß Gesetz zu erfüllen.
Röm 8,3a Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war ...
Gesetzeserfüllung ist nicht mehr unsere Aufgabe - aber es kann ein unabsichtliches Nebenprodukt sein, wenn wir im "Geist wandeln". Wenn es Absicht war - dann haben wir ein Problem. Jedes Flirten mit dem Gesetz ist zu viel.
Aber wann immer wir uns am Gesetz probieren, werden wir ein klares Resultat bekommen.
Joh 3,6a Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch ...
Natürliches bringt Natürliches hervor - mehr passiert da nicht. Es kann noch so gut aussehen. Und das ist noch nicht mal ständig was Schlechtes. Aber es genügt eben häufig nicht, um unsere Bedürfnisse wirklich zu stillen oder zu erfüllen.
Joh 6,63a Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts ...
Das Natürliche nützt nichts, wenn es darum geht, lebendig zu sein und Lebendigkeit zu erfahren - auch wenn es natürlich der Bereich ist, in dem wir die Auswirkungen davon spüren.
Wenn Paulus seinen Zuhörern also an diversen Stellen schreibt, sie seien fleischlich, dann meint er damit konkrete Dinge:
- sie wollen das Gesetz erfüllen
- sie rechnen nicht mit den übernatürlichen Möglichkeiten Gottes
- sie beziehen ihren Wert aus dem, was sie sehen, fühlen, anfassen etc. können
- sie suchen Leben in diesen Dingen
Was er damit nicht sagt, daß sie "im Fleisch" seien. Denn dann wären sie keine Christen und nicht neugeboren! Es geht um Teile ihrer Haltung und ihres Denkens.
Röm 7,18a Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt ...
Diese Aussage wird oft so verstanden, als wohne unaussprechlich Böses in unserem Fleisch. Aber es genügt, daß es schwach ist. Und daß es sich am Gesetz ausprobieren möchte. Und ans Sündigen gewöhnt ist.
Röm 8,4 damit die Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt wird in uns, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln.
Die Forderung des Gesetzes ist immer noch Perfektion! Unser Wandel im Geist erfüllt diese Forderung nach Perfektion nicht durch die Frucht, die dieser Wandel hervorbringt - sondern dadurch, daß uns die perfekte Gesetzeserfüllung von Jesus angerechnet wird. Damit sind wir frei - so zu handeln, wie wir es eben tun.
Aus all dem folgt, daß wir keine feindselige Haltung gegenüber unserem Fleisch bzw. unserer Natürlichkeit einnehmen müssen: wir müssen es nicht kreuzigen, nicht mit Askese und Verzicht aushungern, es nicht auf diese oder jene Weise bekämpfen. All dies hieße, es wichtiger zu nehmen als es ist. Seine Position innerhalb unserer Neuen Natur ist eher eine empfangende: es wird dann Ruhe geben, wenn es erlebt, daß wir "durch den Geist" auf ganz andere Art und Weise für unsere Bedürfnisse sorgen können.
Denn wir kennen ja schon unser Motiv für das Sündigen: wir wollen uns damit selbst helfen.
Das Thema "Fleisch" ist natürlich umfangreicher als das hier Gesagte.
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