kein-anderes-Evangelium

Selbstverdienerei



Das Angebot der Schlange "ihr sein werdet wie Gott, erkennend Gutes und Böses" war ja nicht wirklich eines - das war, was Adam und Eva schon hatten. Aber sie hatten es als GESCHENK. Und die Schlange stellt ihnen in Aussicht, daß sie es durch eigenes TUN haben könnten. Das geschah zwar nicht, war aber verlockend.

Und Selbstverdientes statt Geschenktes ist bis heute für Menschen sehr attraktiv. Das ist leider bei vielen Christen nicht anders als bei Menschen, die Jesus nicht kennen oder nicht näher mit ihm zu tun haben wollen.

... eine der Thesen, die Selbstverdiener-Christen gerne vertreten, ist die vom Segen, der angeblich nicht ohne einen Preis, nicht ohne Wohlverhalten, nicht ohne Einhaltung der Gebote zu haben sei ... eine gute Definition von Gesetzlichkeit ist, daß sie uns das (noch einmal) verdienen läßt, was uns längst geschenkt ist. Und mal ein hartes Geschütz aufzufahren: für mich sind das die Menschen, über die Hebräer 10,29 redet, die den Sohn Gottes mit Füßen treten ... paradoxerweise ist das eine der Bibelstellen, mit denen sie gerne arbeiten, um andere Christen unter Druck zu setzen ... und einen Jünger Jesu definieren sie als einen Gebote-Halter (statt als jemand, der sein Leben, seine Wertschätzung, seine Identität von Jesus bekommen will) ...

Ist aber der Segen umsonst, ist aller Selbstverdienerei der Boden entzogen. Und eine völlig neue Welt tut sich auf ...

... natürlich gibt es genug Bibelstellen im Neuen Testament (und noch mehr im Alten), die SCHEINBAR die Selbstverdienerei und eine Art göttliches Belohnungssystems zu begründen scheinen. Aber es hängt eben alles sehr davon ab, welche Brille man beim Bibellesen aufhat ... wer die Brille "Ich bin zwar umsonst erlöst, aber jetzt muß ich den Preis für die Erlösung zahlen" (und nicht mal den Widerspruch innerhalb dieses Satzes bemerkt) aufhat, wird vieles entdecken, was ihn bestätigt in seiner Auffassung.

... ist es nicht sehr naheliegend, daß wir nur anders werden können, wenn wir immer aufs Neue beschenkt werden - sowohl mit unsichtbaren (aber wirkungsvollen) Dingen wie Liebe, Annahme, Wertschätzung wie auch mit notwendigen sichtbaren Dingen? Veränderung geschieht nicht in der Atmosphäre, in der Heiligungsfreaks leben und die sich um sich herum verbreiten. Ich bin sicher, daß sie wirklich niemanden verurteilen wollen - aber sie können gar nicht anders, denn es ist eine Frucht des Gesetzes und damit des (religiösen) Fleisches und seiner Selbstverdienerei ...

... ja, ich denke auch, daß Gott unser Verhalten öfter mal nicht gutheißt. Aber auch unser falsches Verhalten hat Jesus am Kreuz und durch die Auferstehung geklärt. Deswegen hat er auch keinen Grund, uns seinen Segen zu entziehen aufgrund von Fehlverhalten. Wenn ich allerdings als Selbstverdiener-Christ GLAUBE, es sei so, dann sieht die Welt für mich leider anders aus ... u.a. qualvoller. Und Qual wird umso erträglicher, je mehr Menschen sie mit mir teilen und als Normalität anerkennen. Vielleicht daher auch der stark missionarische Zug dieser Menschen.

... die göttliche Reihenfolge wird von Gesetzis umgedreht: Wohlverhalten, dann Segen ... SPÜRBAR beschenkt zu sein führt aber viel eher zu Verhalten, über das sich andere Leute auch freuen; oder das einem selbst gut tut ... und auch die eine oder andere Sünde wird überflüssig, weil ich sie nicht mehr brauche, um mich wertvoll, lebendig, interessant, zugehörig etc. zu fühlen ... denn wer sündigt schon, um Böses zu tun? Wir sündigen, weil wir hoffen, daß es uns dadurch besser geht ... wer aufhören will zu sündigen, BEVOR er echte und spürbare Alternativen dazu hat, zäumt das Pferd von hinten auf. Aber er glaubt ja, den Segen gäbe es nur dann, wenn er die Sünde in seinem Leben "abstellt" ... wer so lebt und glaubt, dem kann man nur wünschen, daß er demnächst so müde davon wird, daß er Alternativen suchen muß.

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