kein-anderes-Evangelium
Hemmungslos sündigen
Wenn die Gesetzeslehrer hören, wir seien frei vom Gesetz, so assozieren sie damit gleich ein hemmungsloses Sündigen. Aber was passiert wirklich, wenn wir unsere Lizenz zum Sündigen verstanden haben?
Es gibt diverse "Sicherungsmechanismen", die schon dafür sorgen, daß es so nicht laufen wird.
Der Schönste dieser Sicherungsmechanismen ist unser Neues Herz. Denn es hat nun endlich die Bedingungen bekommen, die es braucht, um spürbare Ergebnisse in unserem Leben hervorzubringen: neue Gedanken, neue Einsichten, aber vor allem neue Gefühle, Motivationen, Abneigungen, Wünsche. Das alles kann nicht entstehen unter der harten Knechtschaft des Gesetzes - auch wenn man sie uns hundertmal als "wohlgemeinten Schutz Gottes" schönredet.
Und die Gnade Gottes ist stärker spürbar in unserem Leben. Viele Gründe, aus denen wir sündigen, fallen flach, denn:
- wir fühlen uns geliebt, wertvoll und angenommen
- wir entspannen uns unter der Annahme Gottes
- wir erleben mehr göttliche Hilfe in praktischen Dingen
- unsere Begegnung mit anderen Menschen bekommt eine andere Qualität
Diese Dinge zu erleben, hat allerdings auch eine "Schattenseite" - denn wir halten jetzt viel mehr möglich in unserem Leben. Wir trauen uns nun, andere Dinge für uns zu wünschen und anzustreben. Das führt natürlich auch zu Frustrationen, weil das nicht immer klappt oder nicht immer auf Anhieb.
Aber es gibt auch weit profanere Mechanismen, die dafür sorgen, daß wir auch beim Sündigen weit hinter den Gesetzlichen zurückbleiben, deren massiv mobilisiertes religiöses Fleisch eine Menge üble Dinge hervorbringt.
- was erlaubt ist, verliert plötzlich seinen Reiz
- oft scheitern wir beim Sündigen-Wollen am Mangel an Gelegenheit

- was nicht verboten ist, kann trotzdem Konsequenzen haben
- wir denken über die möglichen Konsequenzen unseres Handelns nach
- wir schrecken vor den Folgen zurück und lassen es lieber
- wir haben andere Menschen immer noch lieb
- wir wollen geliebte Menschen nicht schädigen
- ...
Und es mag noch weitere Mechanismen geben, die dafür sorgen, daß wir nicht den ganzen Tag mit Sündigen beschäftigt sind. Dazu gehört vielleicht auch, daß unsere Gedanken immer wieder mal zu der Tatsache zurückkehren, daß wir geliebt und angenommen und erlöst sind. Aber vermutlich auch die Tatsache, daß wir arbeiten müssen oder Kinder haben, die wir lieben, oder die eine oder andere Pflicht erfüllen müssen. Wir sind einfach damit beschäftigt, gute oder neutrale Dinge zu tun.
Wir sind einfach Neue Menschen geworden. Und warum sollten wir das nicht auch merken, obwohl wir jetzt plötzlich tun könnten, war wir immer schon mal tun wollten.
Aber: trotzdem werden wir ein paar Dinge tun, über die die Gesetzlehrer, wüßten sie davon, natürlich die Nase rümpfen würden - beim Naserümpfen vergessen sie natürlich, was sie selbst so anstellen, wenn keiner hinguckt. Und das, obwohl es aus ihrer Sicht verboten ist und mit Sanktionen aller Art verbunden ist. Aber ist nicht das Gesetz angeblich großartig dazu geeignet, Sünden zu verhindern? ...
Das Erkennen der Gnade Gottes, des Ausmaßes unserer Erlösung und unserer Freiheit vom Gesetz führt nicht automatisch dazu, daß wir uns nun lieb und nett und brav verhalten. Sondern dazu, daß wir jetzt so sein dürfen, wie wir sind. Und vielleicht wollen wir jetzt nicht mehr lächeln und Ja sagen - weil wir nämlich eigentlich ärgerlich sind und Nein sagen wollen ... und vielleicht haben wir plötzlich Konflikte, die wir vorher nicht hatten ... oder wir widmen uns endlich einem Hobby, auf das wir immer verzichtet haben, weil es so zeitintensiv ist und das Dienen in der Gemeinde verhindert hätte ... oder wir merken, daß wir eigentlich ganz andere Menschen um uns herum haben wollen, als wir sie aus unserer gesetzlichen Vergangenheit mitgebracht haben.
P.S. Klar wäre es naheliegend gewesen, an dieser Stelle was über Sex zu sagen. Aber ein Teil der gesetzlichen Prägung ist ja eben, daß bei der Lizenz zum Sündigen immer sofort an Sex gedacht wird. Diese Typen sind so was von verdorben
!